Habe ich eine Allergie?
Wie finde ich es heraus?
Von ersten Verdachtsmomenten über den Arztbesuch bis zur gesicherten Diagnose – und warum der Körper überhaupt allergisch wird.
Symptom-Schnellcheck
Markiere alle Beschwerden, die bei dir (oder deiner Mutter) nach dem Essen auftreten. Der Check ersetzt keine ärztliche Diagnose, gibt aber eine erste Orientierung.
Die gewählten Symptome könnten viele Ursachen haben (z.B. Stress, ein Infekt oder normale Verdauungsreaktion). Wenn die Beschwerden trotzdem häufig auftreten oder belastend sind, lohnt sich ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.
Die Kombination deiner Symptome deutet auf eine mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeit oder -allergie hin. Nächster Schritt: Führe 2–3 Wochen lang ein Ernährungstagebuch (Gegessenes + aufgetretene Symptome mit Uhrzeit) und vereinbare dann einen Termin beim Hausarzt. Das Tagebuch ist die wichtigste Grundlage für jede weitere Diagnose.
Du hast Symptome angegeben, die auf eine schwerwiegendere allergische Reaktion hindeuten können (Atemnot, Schwellungen im Hals-/Mundbereich, Kreislaufprobleme, Herzrasen). Gehe zeitnah zum Arzt oder in eine allergologische Ambulanz – bei plötzlich starken Symptomen sofort den Notruf 144 anrufen.
Der Weg zur Diagnose
Allergien werden schrittweise diagnostiziert. So läuft der Weg vom ersten Verdacht zur gesicherten Diagnose ab.
Notiere 2–4 Wochen lang alles, was du isst und trinkst – mit genauer Uhrzeit. Schreibe daneben auf, wann welche Beschwerden auftreten. Apps wie mySymptoms oder eine einfache Notiz-App reichen aus. Dieses Tagebuch ist die Grundlage für jeden Arztbesuch und erspart aufwändige Suche.
Mit dem Tagebuch zum Hausarzt oder der Hausärztin. Sie kann erste Laborwerte abnehmen (Blutbild, IgE-Gesamtwert, Entzündungsmarker) und entscheiden, ob eine Überweisung zum Allergologen sinnvoll ist. In Österreich übernimmt die Krankenkasse diese Untersuchungen vollständig.
Der Allergologe führt den Prick-Test durch: Kleine Mengen standardisierter Allergenextrakte werden auf die Haut der Unterarme aufgetragen, danach wird mit einer feinen Lanzette leicht in die Haut gestochen. Nach 15–20 Minuten ist ablesbar, auf welche Stoffe der Körper reagiert (Rötung, Quaddeln). Schmerzarm, schnell und aussagekräftig.
Wenn der Prick-Test nicht eindeutig ist oder bestimmte Allergene nicht getestet werden konnten, folgt der spezifische IgE-Test aus Blut. Er misst, ob das Immunsystem gegen bestimmte Allergene IgE-Antikörper gebildet hat. Sehr präzise für Nahrungsmittelallergene wie Gluten, Erdnüsse oder Nüsse.
Das verdächtige Lebensmittel wird für 2–4 Wochen vollständig vom Speiseplan gestrichen (Elimination). Bessern sich die Beschwerden, wird das Lebensmittel kontrolliert wieder eingeführt (Provokation) – oft im Krankenhaus oder beim Allergologen, damit bei einer Reaktion sofort geholfen werden kann. Dies ist der Goldstandard für Lebensmittelallergien.
Warum wird man allergisch?
Die Entstehung einer Allergie ist ein komplexes Zusammenspiel aus Genen, Umwelt und Lebensstil. Die Wissenschaft kennt heute mehrere Schlüsselfaktoren.
Der wichtigste Einzelfaktor. Wenn ein Elternteil an Allergien, Asthma oder Neurodermitis leidet, ist das Risiko für das Kind 2–3× erhöht. Sind beide Elternteile betroffen, steigt das Risiko auf bis zu 60–70 %. Die Gene bestimmen jedoch nur die Veranlagung – ob sich eine Allergie entwickelt, hängt stark von Umweltfaktoren ab.
Das Immunsystem braucht in der frühen Kindheit ausreichend „Training" durch Bakterien, Viren und Parasiten. Kinder in übersauberen Umgebungen, ohne Geschwister, ohne Haustier und mit viel Antibiotika-Behandlungen entwickeln häufiger Allergien – weil ihr Immunsystem mangels echter Feinde harmlose Stoffe als Bedrohung einstuft. Kinder auf Bauernhöfen sind deutlich seltener betroffen.
Das Darmmikrobiom (die Gesamtheit der Darmbakterien) steuert wesentlich, wie das Immunsystem auf Nahrungsmittel reagiert. Kaiserschnittgeburt, frühe Antibiotikagaben, fehlende Stillzeit und westliche Ernährung (wenig Ballaststoffe, viel Zucker) verringern die Artenvielfalt im Darm – was Allergien begünstigt. Neuere Studien zeigen, dass gezielte Probiotika das Risiko senken könnten.
Dieselpartikel, Feinstaub und Ozon können die Schleimhäute schädigen und das Eindringen von Allergenen erleichtern. Allergiker in Städten haben im Schnitt schwerere Symptome als auf dem Land. Klimawandel verlängert die Pollensaison und erhöht den Pollengehalt in der Luft – was indirekt auch Nahrungsmittelallergien über Kreuzreaktionen beeinflusst.
Frühere Empfehlung: Allergene bei Babys verzögern. Aktuelle Forschung: Das Gegenteil stimmt. Eine frühe, regelmäßige Einführung potenzieller Allergene (z.B. Erdnüsse ab dem 4.–6. Lebensmonat) trainiert das Immunsystem und senkt das Allergierisiko deutlich. Das LEAP-Studie (2015) war hier wegweisend für die Erdnussallergie.
Chronischer Stress verändert die Immunantwort und kann Allergien auslösen oder verschlimmern. Schlafmangel schwächt die Darmbarriere. Bewegungsmangel und verarbeitete Lebensmittel verändern das Mikrobiom. Auch Vitamin-D-Mangel (durch weniger Aufenthalt im Freien) wird mit steigenden Allergieraten in Verbindung gebracht.
Häufige Fragen
- Notruf 144 sofort anrufen
- Wenn vorhanden: Adrenalin-Autoinjektor (Epipen) sofort in den Oberschenkel
- Person hinlegen, Beine hochlagern (außer bei Atemnot: aufrecht sitzen)
- Antihistaminikum + Kortison zusätzlich geben (wenn vorhanden)
Eine Allergie ist eine Reaktion des Immunsystems: Der Körper bildet IgE-Antikörper gegen ein eigentlich harmloses Protein. Bereits kleinste Mengen können schwere Reaktionen (bis zur Anaphylaxie) auslösen.
Eine Unverträglichkeit (Intoleranz) ist kein Immunvorgang – sondern ein Enzymdefizit (z.B. Laktoseintoleranz) oder eine Empfindlichkeit des Darmes. Sie ist dosisabhängig: kleine Mengen werden meist vertragen. Lebensgefährliche Reaktionen sind selten.
Kurz: Allergie = Immunreaktion, Intoleranz = Stoffwechsel-/Verdauungsproblem.
Bei Kindern: Ja, häufig. Bis zu 80 % der Kinder mit Eiallergie und 50–60 % mit Milchallergie entwickeln bis zum Schulalter eine Toleranz, wenn das Allergen regelmäßig in kleinen Mengen gegessen werden darf (nach ärztlicher Absprache).
Bei Erwachsenen: Selten. Erdnuss-, Baumnuss- und Fischallergie bleiben meist lebenslang. Es gibt allerdings Immuntherapien (Hyposensibilisierung), die eine Toleranz aufbauen können.
Bei der oralen Immuntherapie (OIT) isst man täglich kontrolliert steigende Mengen des Allergens – unter ärztlicher Aufsicht, beginnend mit winzigen Dosen. Das Immunsystem gewöhnt sich schrittweise daran. Für Erdnussallergie ist in Österreich/EU ein zugelassenes Präparat (Palforzia) erhältlich.
OIT ist kein Allheilmittel: Es braucht Geduld (Monate bis Jahre), die Toleranz muss durch regelmäßiges Essen aufrechterhalten werden, und es eignet sich nicht für jeden. Gespräch mit einem erfahrenen Allergologen ist notwendig.
In Österreich führen vor allem Dermatologinnen und Dermatologen mit Allergologie-Zusatz sowie Pulmologen (Lungenfachärzte) Allergietests durch. Bei Kindern sind Kinderärzte mit allergologischer Erfahrung der erste Ansprechpartner.
Die Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) bietet auf ihrer Website eine Arztsuche. Viele Landeskrankenhäuser haben eigene Allergie-Ambulanzen – dort ist oft keine Wartezeit und keine Zusatzkasse nötig.
Zeichen einer Anaphylaxie: Schwellung von Lippen, Zunge oder Rachen, Atemnot, Heiserkeit, Herzrasen, starker Blutdruckabfall, Ohnmacht – oft innerhalb von Minuten nach Allergenaufnahme.
Sofortmaßnahmen:
Betroffene mit bekannter schwerer Allergie sollten stets zwei Adrenalin-Autoinjektoren, ein Antihistaminikum und einen Kortisonsaft/Tabletten bei sich tragen. Schulung von Angehörigen und Kollegen ist essenziell.
Ja – allergiegerechte Spezialnahrung kostet in Österreich im Schnitt 2–4× mehr als Standardprodukte. Dazu kommen Mehrkosten für spezielle Kochutensilien, Restaurantbesuche mit Nachfragen, und ggf. nicht erstattete Medikamente.
Österreichische Allergikerinnen und Allergiker geben schätzungsweise 800–1.500 € pro Jahr mehr für Lebensmittel aus. Durch die allgemeine Lebensmittelinflation steigen diese Mehrkosten überproportional – der Verbraucherpreisindex zeigt, wie stark diese Entwicklung ist.
Unsere interaktiven Statistiken zeigen Prävalenz, Trendentwicklung und Altersgruppen für alle 14 Hauptallergene.
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